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Wir freuen uns auf Ihre liebsten Rogacki-Momente.
Heiko Mehnert
West-Berliner Geschichts-Schreiber
Aus meinem Buch "1986 West-Berlin. Originalton.":
"Aber im Alltag war West-Berlin genügsam. Was es nicht gab, gab es eben nicht. Und was es gab, reichte völlig aus.
Feinkost zum Beispiel – das war Rogacki in der Wilmersdorfer Straße. Eine Institution, eine Pilgerstätte, die Kantine Charlottenburgs. Berühmt für den Räucherfisch aus eigener Herstellung und das Seelachsfilet mit Kartoffelsalat – ein Klassiker, der freitags Schlangen gefühlt bis zur Bismarckstraße verursachte.
Rogacki war so West-Berlin wie Currywurst, Leydicke, Zoo und Funkturm zusammen. Hier wurde gespeist, nicht gegessen. Abends gab es alles für das gute alte Abendbrot oder den Besuch am Wochenende: fertige Salate, Bouletten, Blut- und Leberwurst mit Kartoffelpüree. Wer etwas auf sich hielt, aß an den Stehtischen in der Mitte des Ladens Scampis, Matjes oder Fischsuppe – dazu Champagner oder Weißwein. Man war schließlich selbstständig, Arzt oder leitender Angestellter. Panierter Fisch? Nein, danke.
Rogacki brannte einmal ab, aber das Geschäft machte weiter. Immer weiter. Jahrzehntelang. Bis es irgendwann leiser wurde. Die Kundschaft alterte, das neue Berlin verstand den Zauber nicht mehr. Zu groß war die Konkurrenz, zu weit weg die Zeit, in der man bei Rogacki noch Bekannte traf und Geschichten hörte.
Der letzte Rogacki starb tragisch – er verbrannte in seiner Villa in Spandau. Da hatte das Geschäft schon nicht mehr täglich geöffnet.
Jetzt ist es zu. Für immer. Verschwunden – still, räucherig und voller Erinnerungen an eine Stadt, die satt war, ohne vollgefressen zu sein."
Ich bin froh, dass Ihr die Geschichte fortschreibt.
Caro
Zuerst in den 60er Jahren mit Mutter, später auch alleine
Ich war unendlich traurig, als ich hörte Rogacki muss in die Insolvenz und macht dicht .
Eine Berliner Institution, ein Stück Heimat .
In den 1960 Jahren bin ich jeden Samstag mit Muttern bei Rogacki gewesen. Bratfisch, Bockwurst, Knacker mit Kartoffelsalat und ein Glas Apfelsaft. Das war das Highlight der Woche. Dann wurde noch an der Wursttheke was leckeres eingekauft. Oft auch Hering in Sahnesoße, so lecker …
Für mich war es dann selbstverständlich, als junge Frau und dann auch als ich älter wurde, weiter das leckere Essen und die tollen Salate zu genießen.
So war Rogacki immer ein fester Bestandteil meines Lebensstils, es gehörte einfach dazu.
Wie ,als wenn man nach einer Zeit wieder nach Hause kommt. Für mich so heimelig und immer lecker. Und so nettes Personal, so was findet man leider kaum noch. Ich würde mich sehr über eine neue Eröffnung freuen. Ich drücke ganz fest die Daumen 👍 für eine Neueröffnung.
C. Gerstenberger
Marion Lange-Köhler
Die Ente am Heiligabend
Es war Heiligabend 1981. Ich hatte damals ein Geschäft, das um 10 Uhr öffnete.
Ich brauchte für das Abendessen noch die traditionelle Weihnachtsente; verabredet war das Besorgen mit einem Bekannten, der sagte morgens kurzfristig ab. Kein Problem, schnell noch vor Geschäftsöffnung zu Rogacki. Parkplatz finden war schon nervraking. Rein ins Geschäft. Knüppelvoll von Menschen.
Ich brauchte eine Weile, bis ich begriff, dass die Warteschlange für das Geflügel hinten an der Grillstation begann. Kreiiiiiisch!
Sie kreuzte sich mit der Fischwarteschlange, die am Käsestand losging.
Ich schwankte zwischen Flüchten und Warten: konnte ich meine Geschäftspartnerin im Laden allein lassen? Aber: KEINE ENTE??? Ging gar nicht!
In meiner Erinnerung dauerte es ungefähr eineinhalb Stunden, bis ich dran war. In der Zwischenzeiteit erfuhr ich alles über meine Mitwartenden vor und hinter mir und hatte Panikschübe bei dem Gedanken, dass Enten aus sein könnten, bis ich dran wäre. OK, Dose Würstchen war noch im Vorrat zuhaus...
Aber: Alles ging gut! Ich bekam eine perfekte Ente von der tiefenentspannten und fröhlich-routinierten Bedienung, verabschiedete mich herzlich von der Schlange hinter mir und der Heiligabend war gerettet.
Albert Klein
Vierzig Jahre lang ein vertrauter und geliebter Ort.
Meine erste Begegnung mit Rogacki fand Mitte der 80er-Jahre statt, als die Stadt im Winter noch nach Kohle roch und alles anders war. Damals hielt ich mich regelmäßig und länger in Charlottenburg auf, und eines Tages entdeckte ich Rogacki. Matjes (was sonst?) und Kartoffelsalat waren die ersten Dinge, die ich dort kaufte. Später entdeckte ich die Königsberger Klopsen und verliebte mich sofort in sie – eine Liebe, die bis heute anhält. Genauso wie meine Liebe zu Rogacki, denn ich ging bei jedem Besuch in der Stadt dorthin. Leider musste ich bei einem kürzlichen Besuch feststellen, dass die vertraute Adresse in der Wilmersdorfer Straße geschlossen hat, was mich sehr traurig macht. Schließlich war Rogacki vierzig Jahre lang ein vertrauter und geliebter Ort in meinem Leben.
Umso mehr freue ich mich über die Initiative für ein Kochbuch mit den beliebten Rezepten und die Pläne, Rogacki nicht nur als Erinnerung und Kochbuch am Leben zu erhalten. Ich hoffe, bald wieder in einem dieser köstlichen Restaurants in Berlin essen gehen zu können! Herzliche Grüße aus den Niederlanden!
Petra Dr. Besuch
Rogacki gehört zur Familie
Ich bin mit Rogacki aufgewachsen. Mittwochs fuhren wir mit meinen Eltern von Reinickendorf zu Rogacki in die Wilmersdorfer Straße – und jeder Einkaufsbummel begann mit einem Fischessen.
Meist gab es Scholle mit hausgemachtem Kartoffelsalat. Später, als ich eine Zeit lang in der Haubachstraße wohnte, wurde Rogacki für mich noch selbstverständlicher: der Silvestereinkauf, zwischendurch ein Teller Salat oder Fisch. Auch die Bäckerei gehörte immer dazu. Es war diese familiäre, freundliche Atmosphäre, die den Ort besonders gemacht hat.
Ich bin traurig, dass es Rogacki in dieser vertrauten Form nicht mehr gibt – und hoffe sehr, dass die Tradition wieder aufleben kann. Hoffentlich ergeht es ihm nicht wie Aschinger.
Zita Girl
Rogacki – ein Stück Zuhause seit den 80ern
Wir wohnten in den 80er Jahren an der Deutschen Oper. Jedes Wochenende haben wir bei Rogacki eingekauft: Fisch, Fleisch und andere leckere Sachen.
Meinen Sohn trug ich auf dem Arm, seine großen neugierigen Kinderaugen richteten sich auf die mit Wasser gefüllten Bottiche und darin schwimmenden Fische. Am Wurststand bekam er immer von den netten Verkäuferinnen eine Scheibe Wurst.
Als er dann so groß war, dass sein Kopf über die runden Stehtische reichte, wollte er immer ein Wiener Würstchen essen, das beste Würstchen, wie er sagte. Räucherfisch, unsere Vorliebe war Bückling, ein großes und herrlich riechendes Paket fand ich später öfters als Geschenk im Kühlschrank.
Zur Corona-Zeit, als man bei Rogacki den Fisch nicht am Tisch essen durfte, haben wir uns den, zusammen mit Kartoffelsalat, einpacken lassen und auf der Gartenbank an der Lortzing-Statue im Tiergarten genossen.
Ich erinnere mich auch an eine Geburtstagsfeier vor 5 Jahren, die mein Sohn für 30 Freunde/innen dort organisiert hatte, mit Garnelen und Weißwein.
Ja, diese Erinnerungen, die uns begleiten, die Verbundenheit zur Tradition, sei es Essen oder auch andere Gründe, die führten meinen Sohn dazu, die Marke Rogacki wieder zum Leben zu bringen. Wir werden uns freuen, Euch alle wieder zu begrüßen. An Kartoffelsalaten üben wir schon, sie schmecken wirklich nach Rogacki!!
